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Sozialpolitik und Verteilung

 

Moderne Gesellschaften sind durch ein hohes, möglicherweise wachsendes Maß bestimmter Ausprägungen von Heterogenität und Heterogenitätserfahrungen charakterisiert, die nicht durch natürliche Mechanismen gemildert oder kompensiert werden. Als ein Beispiel seien die unterschiedliche Zusammensetzung und die unterschiedliche, aber im historischen Vergleich eher kleine Mitgliederzahl von Haushalten als Voraussetzung für kapitalistische Mobilität und Flexibilität genannt. Haushalte können daher  in sehr ungleichem Maß jene marktförmig verwertbaren Leistungen anbieten, welche für den Zugang zu den von ihnen benötigten oder gewünschten Gütern nötig sind (unterschiedliche Leistungsfähigkeit). Die einen Haushalte werden anteilsmäßig weniger Personen im erwerbsfähigen Alter enthalten als andere. Manche werden keine erwerbsfähigen Personen enthalten. Generell ergeben sich hier eine Reihe von Anknüpfungspunkten für sozialpolitische Regulierung und Umverteilung.

Seit längerem untersucht die einschlägige ökonomisch-politologisch-soziologische Literatur Formen und Effekte der Pluralisierung von Lebens- und Familienformen, die etwa durch Änderungen in den Gender-spezifischen Erwerbsmustern und in den subjektiven Ansprüchen an intime Beziehungen induziert werden. Migration und asynchrone demographische Übergänge weltweit werden nach verbreiteter Wahrnehmung einen weiteren Heterogenitäts-Schub bewirken. Im Bereich des Arbeitslebens wird schon längst eine Tendenz der Auflösung von Normal-Arbeitsverhältnis und Normal-Karriere zugunsten „atypischer Beschäftigungsverhältnisse“ festgestellt, welche ebenfalls zu einer neuen Art der Dehomogenisierung von Interessenlagen führen können.

Unsere Arbeitshypothese ist nun, dass Heterogenität profunde Implikationen hat – und zwar insbesondere für die Architektur politisch verfasster gesellschaftlicher Regulierung und insbesondere der Sozialpolitik. Diese Implikationen sind auf verschiedenen Ebenen angesiedelt: für die funktionale Rolle, die Systemrelevanz und das normative Fundament von Sozialpolitik, für Fragen der praktischen Implementation von Sozialpolitik, und schließlich auch für die Art und Weise, wie moderne Diskurse um Sozialpolitik und soziale Gerechtigkeit „rational“ geführt werden können.

In der Folge skizzieren wir einige dieser Ebenen und Themen, die im Rahmen des thematischen Clusters Sozialpolitik und Verteilung bearbeitet werden:

  • Kollektiventscheidungen, Subjektivität von Wohlfahrt und die Grenzen individueller Autonomie: Das Konzept meritorischer Güter und seine sozialpolitischen Anwendungen.
  • Zur Systemrelevanz politisch überformter Verteilungsregulierung im kapitalistischen Prozess (Bildungspolitik, „automatische Stabilisatoren“). Neo-Hobbesianische Wohlfahrtstaatskritik und die Reichweite der Versicherungsidee als sozialpolitische Heuristik im Grenzfall minimalistischer Gemeinwohlvorstellungen.
  • „Dynamische Sozialpolitik“: Dynamik, Heterogenität, und die Ausdifferenzierung/Dynamisierung von Regulierungsdesigns. Zur Problematik einfacher Designs: Kritik am Grundeinkommen als geldvermittelte „sozialpolitische General purpose technology“. Verbindung von Reichweite und Struktur sozialpolitischer Gestaltungen mit den Voraussetzungen/der Tragfähigkeit entsprechender normativer Diskurse und Kollektiventscheidungsmechanismen.
  • Globale Regulierungsprobleme und polyzentrische Governance, v.a. mit Focus auf die Problematik von Global Warming.
  • Heterogene Familienformen und das Design von Familienpolitik: Zur Problematik statischer und „Lebensform-neutraler“ Konzeptionen von Familienpolitik.

 

Ansprechpartnerin:

Margareta Kreimer margareta.kreimer(at)uni-graz.at

Kontakt

Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr.rer.soc.oec. Margareta Kreimer Telefon:+43 (0)316 380 - 3456

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